33. Jahrestagung der Deutschsprachigen medizinischen Gesellschaft für Paraplegiologie e. V.

Rehab der Zukunft — "Quo vadis"
22. - 25. April 2020 • Nottwil/Schweiz

33. Jahrestagung der Deutschsprachigen medizinischen Gesellschaft für Paraplegiologie e. V.

Rehab der Zukunft — "Quo vadis"
22. - 25. April 2020 • Nottwil/Schweiz

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Workshopbeschreibung

Neue Wege in der Schmerztherapie bei Querschnittlähmung

Mechanismen der Entstehung neuropathischer Schmerzen bei Querschnittlähmung
Prof. Ralf Baron, Sektion Neurologische Schmerzforschung und -therapie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Sensibler Input und motorischer Output - Prädiktoren und Trigger neuropathischer Schmerzen nach Querschnittlähmung?
Steffen Franz, Klinik für Paraplegiologie, Universitätsklinik Heidelberg

Virtual walking in der Schmerztherapie bei Querschnittlähmung - Erste klinische Erfahrungen
Gunther Landmann, Zentrum für Schmerzmedizin, SPZ Nottwil

Dieser Workshop wendet sich an Therapeuten und Ärzte, welche an der Schmerztherapie bei Patienten mit chronischen neuropathischen Schmerzen infolge Querschnittlähmung interessiert sind.
Erfahrungsgemäß zeigen medikamentöse Therapieoptionen für Patienten mit Schmerzen infolge Querschnittlähmung nur Teilerfolge. Dieser Workshop gibt einen Überblick über Mechanismen der Entstehung neuropathischer Schmerzen bei Querschnittlähmung und zeigt diagnostische Möglichkeiten und potentielle Behandlungsoptionen auf.

Einen immer größeren Stellenwert gewinnen nicht-medikamentöse Therapien. Da Wechselwirkungen zwischen sensiblem und motorischem System das Auftreten neuropathischer Schmerzen beeinflussen können, werden neue wissenschaftliche Ansätze diesbezüglich vorgestellt und ihre potentielle klinische Bedeutung erörtert.

Mechanismen der kortikalen Reorganisation können wesentlich zum Auftreten neuropathischer Schmerzen beitragen. Diesen Mechanismus adressieren virtuelle Bewegungsprogramme, wie "Virtual walking". Das Prinzip dieser Therapie und erste klinische Daten und Erfahrungen werden vorgestellt.


Neurotisations- und Neuromodulationstechniken an der oberen Extremität

Das Wiedererlangen einer Arm- und Handfunktion bei Tetraplegie ist zentral. Die Tetrahandchirugie mit Nerventransfers und der Vor- und Nachbehandlung die neuromodulative und funktionelle Gesichtspunkte kombiniert ist eine Behandlungsmethode. Voraussetzungen sind, dass der sogenannte Spendernerv volle Funktion besitzt und keine Schädigungen aufweist, die die Innervation vermindert. Der Empfängernerv/Muskel sollte innerviert sein und bestenfalls keine Schädigung des 2. Motoneurons aufweisen. Degenerationsprozesse sind beeinträchtigende Faktoren. Besteht eine Denervation oder Teildenervation des Spendermuskels kommen Therapieansätze wie die direkte Muskelstimulation zur Anwendung, die den Spendermuskel kontraktil erhalten. Das prä- und postoperative Training bestehend aus Elektrostimulation und strukturell-funktionellem Training bilden das Behandlungskonzept.

Lerninhalte

  1. Sie werden über Operationstechniken von Nerventransfer informiert.
  2. Sie erhalten Kenntnisse über die Voraussetzungen von Spender- und Empfängernerv / Muskel
  3. Sie werden über die neurophysiologischen Voraussetzungen informiert, die das Ergebnis eines Nerventransfers beeinflussen.
  4. Sie lernen die Grundkenntnisse der direkten Muskelstimulation bei zweiter Motoneuronschädigung.
  5. Sie werden über Vor- und Nachbehandlungsinhalte informiert.
  6. Sie üben praktisch die Austestung mit Elektrostimulation verschiedener Schlüsselmuskeln zur Differenzierung des Innvervationsstatus.

Peer-Counseling im Kontext der klinischen und nachklinischen Rehabilitation

Peer-Counseling leistet einen wichtigen Beitrag in der klinischen und nachklinischen Rehabilitation. Die Integration des Peer-Counselings im klinischen und nachklinischen Kontext ist dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor. Die Fokussession ist multiprofessional und richtet sich an Mitarbeiter/innen aller Fachrichtungen (Therapeuten, Ärzte, Sozialdienste, Pflege), die an dem Rehabilitationsprozess beteiligt sind. Im Rahmen der Fokussession werden drei zentrale Integrationsherausforderungen diskutiert: (1) Organisation der Teams und Peer-Counseling-Beratung an den Stützpunkten, (2) Zusammenarbeit mit anderen Therapiebereichen, (3) langfristige Ansprache der Adressat/innen durch ein Mentoring Programm. Hierzu werden mehrere Fallbeispiele der aktuellen Peer-Arbeit der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland (FGQ) in der klinischen und nachklinischen Rehabilitation analysiert. Die Ergebnisse zeigen mehrere Good-Practice Modelle, die auf die strukturellen Besonderheiten der Region und der Rehabillitationseinrichtung abgestimmt sind. Die Diskussion in der Session soll zur Weiterentwicklung vorhandener Modelle dienen. Zudem sollen Integrationsansätze für weitere Regionen und Standorte entwickelt werden. Abschließend wird ein Ausblick auf zukünftige Projekte im Rahmen der Peer-Counseling Arbeit der FGQ gegeben.

Ablauf:

Einführung - Rouven Seifert (10 min.)
Modell Koblenz – Achim Schade (10 min. inkl. Fragen)
Modell Greifswald – Dirk Weber (10 min. inkl. Fragen)
Weiterentwicklung der Peer-Arbeit und Ausblick – Prof. Dr. Jessica Köpcke und Rouven Seifert (20 min.)
Fragen und Diskussion (10 min.)

Lernziele:
Vermittlung von Informationen zur Organisation und Durchführung der Peer-Counseling-Arbeit an den Querschnittgelähmten-Zentren und Potenziale der Zusammenarbeit von ehrenamtlichen Peers und Fachpersonal.


Dysphagie – ernährungsmedizinisch und logopädisch begleitet
Konsistenz-adaptierter Kostaufbau – Hand in Hand

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit gewinnt immer mehr an Bedeutung und so ist diese auch in der Dysphagie-Behandlung unabdingbar.
Im SPZ Nottwil profitieren die Patienten von der engen Zusammenarbeit der Logopädie und Ernährungsberatung. Die Dysphagie-Behandlung wird nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und auf Basis der langjährigen Erfahrung der Therapeuten gestaltet.
Erfahren Sie in diesem Workshop, worauf es im Zusammenspiel zwischen logopädischen und ernährungsberaterischen Maßnahmen ankommt.


Wie verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt der Zukunft im Spital?

Selbstorganisierte Teams (die Zukunft der Demokratie) in einer Expertenwelt
Sandra Odermatt, Stationsleiterin SPZ Nottwil

Skills für das Lernen und die Wissensanwendung in der Zukunft. Lebenslanges Lernen?
Susanna Opel, Ausbildungsverantwortliche Therapien SPZ

Welche Unternehmenskultur, welches Verhalten und welche Art der Führung ist die richtige für die Zukunft?
Diana Sigrist-Nix, Leiterin Rehabilitation SPZ

Es gibt kaum Erfahrungen mit der New Work [gemeint ist die Neue Arbeitswelt] Transformation. Die Digitalisierung wird mit dem Einsatz von Computern und E-Mailadressen gleichgesetzt. Oft fehlen in den Spitälern klare Visionen und Ziele, obwohl das Management die Notwendigkeit der Veränderung erkannt hat. Die Spitalwelt steht am Anfang dieser Entwicklung und nutzt bereits vereinzelt digitale Tools (z. B. das Krankenhausinformationssystem KIS), um Prozesse zu vereinfachen und die Informationen schnell und zentral zur Verfügung zu stellen. Fachkräftemangel und Anforderungen von neuen jungen Mitarbeitenden an neue Arbeitswelten sind spürbar und werden in den on-boarding-Prozessen bereits integriert. Es muss immer mehr mit immer weniger Mitarbeitenden geleistet werden. Der Dienst am Patienten in einer 1:1 Beziehung wird als Hemmnis für die Umsetzung von Veränderungen in der Arbeitswelt gesehen. Neue Arbeitsmodelle, wie Home-Office und flexible Arbeitszeiten, sind eher im Kader oder in der Administration möglich. Die Unternehmenskultur ist stark geprägt von hierarchischen Strukturen in einer Expertenorganisation. Eine Präsenzkultur in einem 24-Stunden-Schichtbetrieb ist vorherrschend. Um in der Zukunft bestehen zu können, müssen mehrere Weichen neu justiert oder gestellt werden. Klare Strategien müssen formuliert werden. Damit einher sollte die Erhöhung der Attraktivität des Unternehmens für die Mitarbeiter gehen. Dies sollte mittels Kulturveränderungen geschehen, die durch Verhalten und Prozessveränderungen bestimmt werden und auf die Aktivitäten der Menschen und ihrer Bedürfnisse ausgerichtet sind.

Dieser Workshop wendet sich an alle Health Professionals, die sich mit dem Thema Arbeitswelt 4.0 auseinandersetzen möchten. Es werden vier kurze Einstiegsreferate von jeweils fünf Minuten gehalten, anschließend finden Diskussionen in drei Arbeitsgruppen statt. Am Ende des Workshops wird jede Arbeitsgruppe ihre Handlungsempfehlungen präsentieren.


"Wir arbeiten jetzt als Team!" Gesagt – getan?
SIRMED, Schweizer Institut für Rettungsmedizin, Nottwil

Die zunehmende Spezialisierung in der Medizin schafft Schnittstellen und verlangt den Beteiligten Professionen ein immer größeres Maß an Zusammenarbeit ab. Obwohl die interprofessionelle Zusammenarbeit (Teamwork) den Arbeitsalltag bereits prägt, ist dieses Thema in den Curricula der Medizinalberufe kaum präsent. Jene sind hauptsächlich auf die relevanten fachlichen Inhalte (Taskwork) abgestimmt. Gutes Teamwork wirkt sich nachweislich positiv auf die Behandlungsqualität und die Patientensicherheit aus. "Dream Teams" werden allerdings nicht geboren, sie müssen erst noch gemacht werden. Doch wie lässt sich das bewerkstelligen?
Der Workshop bietet die Möglichkeit, eine einfache Methode zur Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit selbst auszuprobieren. Eine Aufgabe, bestehend aus vier interdependenten Teilen, wird von einem Team zunächst bearbeitet und nachher reflektiert. Die Reflexion beinhaltet eine Analyse der Teamperformanz sowie den Transfer in den Alltag der Teilnehmenden.

1 x 1 der klinischen Forschung


Das Ziel des Workshops ist, den Teilnehmenden die Grundlagen im Zusammenhang mit klinischen Forschungsprojekten zu vermitteln. Insbesondere werden die Good Clinical Practice (GCP) E6 (R2) Richtlinien diskutiert. Ein Schwerpunkt wird auf den Verantwortlichkeiten des Prüfers und des Sponsors liegen. Weiter werden Herausforderungen bei der Durchführung von klinischen Forschungsprojekten beleuchtet. Diese umfassen ausreichende finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen, Rekrutierung von Studienteilnehmern oder die Umsetzbarkeit des Studienprotokolls. Schließlich werden methodische Grundlagen betreffend Studiendesigns, statistischen Analysen und Interpretation von Resultaten vermittelt. Die Themen werden an Marktständen in Gruppen beleuchtet und diskutiert.